handshake-16112020

Gefährdungsbeurteilung

Ermitteln und bewerten relevanter Gefährdungen. Wirksamkeit und Kontrolle der Abstellmaßnahmen.

Was ist die Gefährdungsbeurteilung

Sie ist das zentrale Dokument für ein erfolgreiches und systematisches Sicherheits- Gesundheitsmanagement.
Die vorherrschenden Arbeitsbedingungen werden aus der Sichtweise eines präventiv wirkenden Arbeitssicherheitskonzeptes analysiert, um Risiken und Gefährdungen zu erkennen und einzuschätzen.
Es werden geeignete Schutzmaßnahmen abgeleitet und umgesetzt.

Was ist das Ziel der Gefährdungsbeurteilung

Oberstes Ziel ist die Verhütung arbeitsbedingter Unfälle und das Abwehren arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren.
Die daraus resultierenden und ergriffenen Abstellmaßnahmen tragen wesentlich zur Gewährleistung menschengerechter Gestaltung der Arbeit bei.

Wer erstellt die Gefährdungsbeurteilung

Arbeitgeber:
Nach § 5 Abs. 2 und 3 ArbSchG haben alle Arbeitgeber / Unternehmer eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen.
Die DGUV Vorschrift 1 Grundsätze der Prävention § 3 sieht ebenfalls den Arbeitgeber in der Verantwortung.
Jedoch kann der Arbeitgeber eine Pflichtenübertragung delegieren.

Arbeitsschutzausschuss (§ 11 ASiG) bei mehr als 20 Mitarbeitern vorgeschrieben:
Der Arbeitsschutzausschuss ist eine Einrichtung des betrieblichen Arbeitsschutzes.
Er wird Sie in Fragen von Gesundheitsschutz und Sicherheit beraten.
Er kann somit bei der Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung unterstützen.

Arbeitnehmervertretung (§ 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG):
Der Betriebsrat hat bei der Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung und beim Gesundheitsschutz ein Mitbestimmungsrecht.

Beschäftigte / Werker:
Wenn Sie nun der Meinung sind, alle Gefährdungen zu kennen, die im Arbeitsbereich eintreten können, sollten Sie nicht nur auf Ihre Intuition verlassen. Die Arbeitnehmer sollten bei der Ermittlung des Gefahrenpotenziales des jeweiligen Arbeitsbereiches einbezogen werden. Denn wer kennt sich besser aus im Arbeitsbereich als derjenige, der dort arbeitet?
Die Einbindung der Arbeitnehmer hat zudem noch einen positiven Effekt auf das Arbeitsklima.

Von mir erstellte Gefährdungsbeurteilung

    • Ich betrachte potenzielle Gefahrenquellen, denen die Werker in der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit ausgesetzt sind.
    • Diese werden objektiv in der Gefährdungsbeurteilung beschrieben und eingeschätzt. Ergibt meine Einschätzung der potenziellen Gefährdungen ein nicht akzeptables Risiko, besteht Handlungsbedarf.
    • Zielführende Maßnahmen zum Entschärfen oder beseitigen der festgestellten Gefährdungen werden festgelegt.
      Kann die Gefährdung nicht an der Entstehungsstelle beseitigt oder ausreichend reduziert werden, sehe ich die Notwendigkeit, ergänzende Maßnahmen zu ergreifen.
    • Umsetzen der festgelegten Schutzmaßnahmen.
    • Überprüfen der Wirksamkeit getroffener Schutzmaßnahmen, ob ausreichend und wirksam.
      Sind die getroffenen Schutzmaßnahmen nicht ausreichend wirksam oder ergeben sich aus den getroffenen Schutzmaßnahmen neue Gefährdungen, muss die Gefährdungsbeurteilung wiederholt werden.

Hierarchie für durchzusetzende Schutzmaßnahmen

S

ubstituieren

Gefahrenquelle ersetzen oder soweit reduzieren, dass keine Gefährdung mehr vorhanden ist.

T

echnische Maßnahmen

Gefährdungen einhausen oder durch Schutzeinrichtungen minimieren.

O

rganisatorische Maßnahmen

Zeitliche und / oder räumliche Trennung der Gefährdung vom Menschen.

P

ersonenbezogene Maßnahmen

Schutz des Menschen durch qualifiziertes Verhalten und dem Einsatz personenbezogener Schutzausrüstung.

Wann ist eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen

Sie ist durchzuführen und zu dokumentieren

    • Beim Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten.
    • Vor dem erstmaligen Gebrauch eines Arbeitsmittels wie auch durch Wechselwirkung in Kombination mit anderen Arbeitsmitteln ausgehenden Gefährdungen.
    • Vor Aufnahme der Tätigkeit bzw. als anlassbezogene Erstbeurteilung an bestehenden Arbeitsplätzen.

Sie ist zu überprüfen und im Bedarfsfall zu aktualisieren

    • Wenn die Prüfung der Wirksamkeit von ergriffenen Schutzmaßnahmen aufzeigt, dass diese Schutzmaßnahmen nicht wirksam oder nicht ausreichend sind.
    • Wenn wesentliche Veränderungen im Unternehmen angestrebt sind, wie:
      • Planung neuer Arbeitsstätten und Arbeitsplätze
      • modifizieren von Arbeitsverfahren
      • Änderung von Arbeitsfolge und Arbeitsorganisation
      • Einsatz anderer Arbeitsmittel oder Arbeitsstoffe
      • Änderungen, Retrofit oder Neubeschaffung von Einrichtungen, Geräten oder Maschinen
      • bei besonderen Betriebszuständen
      • bei wesentlichen Instandsetzungsmaßnahmen
    • In regelmäßigen Abständen, insbesondere
      • bei Änderungen von technischen Regeln oder relevanten Rechtsvorschriften
      • bei Veränderungen des Standes der Technik
      • bei neuen arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen in der Arbeitsmedizin und Hygiene
    • Zur Bestimmung von Prüffristen für Arbeitsmittel.
    • Nach dem Feststellen von kritischen Situationen (Beinahe-Unfälle, Fehlzeiten, die auf arbeitsbedingte Gesundheitsbeeinträchtigung hinweisen).
    • Nach dem Eintritt eines Arbeitsunfalles oder einer Berufskrankheit.
    • Nach Störfällen
    • Notwendige Aktualisierung aufgrund von Erkenntnissen und Ergebnissen der arbeitsmedizinischen Vorsorge.

Wissenswertes

Wie eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen ist, wird vom Gesetzgeber nicht eindeutig bestimmt. Es werden nur Grundprinzipien benannt.
Für das Erstellen einer Gefährdungsbeurteilung gibt es somit nicht den absolut richtigen Fahrplan. Prinzipiell gibt es zwei praktikable Vorgehensweisen der Gefährdungsbeurteilung:

    • Arbeitsplatzbezogen (stationär) z. B. Vorrichtung, Maschine oder Anlage, Büro.
    • Ablauforientiert oder tätigkeitsbezogen (örtlich wechselnder Einsatz) z. B. Abfallmanagement, bereitstellen von Hilfsmitteln für die Produktion, Handling der WIP Bestände und Halbfertigteile durch die laufende Produktion.

Die Vorgehensweise richtet sich auch nach den vorherrschenden örtlichen Rahmenbedingungen.