handshake-16112020

Unterweisung

Nur wer Gefährdungen kennt, kann sich sicherheitsgerecht verhalten

Was ist die Unterweisung.

Ihre Beschäftigten müssen alle Gefährdungen in Ihrem Tätigkeitsbereich kennen und die festgelegten Schutzmaßnahmen nutzen.
Die Unterweisung beschreibt Anweisungen und Erklärungen, die auf den jeweiligen Tätigkeitsbereich oder das Aufgabengebiet des Beschäftigten abgestimmt sind.

Was ist das Ziel der Unterweisung

Arbeitsabläufe sollen reibungslos erfolgen. Der Unterwiesene soll während der Unterweisung das Wissen vermittelt bekommen, welche Verhaltensregeln während einer Tätigkeit angewendet werden sollen, um den Tätigkeitsablauf sicherheitsbewusst und gesundheitsgerecht auszuführen.
Beschäftigte sollen den Zweck von Arbeitsschutzmaßnahmen erkennen und Eigenverantwortung übernehmen für das gesundheitsgerechte Verhalten am Arbeitsplatz.

Wer erstellt die Unterweisung

§ 12 ArbSchG Abs. 1; JArbSchG § 29 ; BGB § 618 und § 81 BetrVG Abs 1 und 2 sieht den Unternehmer als verantwortliche Person, um angemessen und ausreichend zu unterweisen. Jedoch kann die Unterweisung an eine fachkundige und zuverlässige Person delegiert werden. Unterweist z. B. der unmittelbare betriebliche Vorgesetzte, kann er das Verhalten der Beschäftigten beobachten und bei Bedarf korrigieren.
Die Fachkraft für Arbeitssicherheit, der Betriebsarzt oder der Arbeitsschutzausschuss können zur Unterstützung eingebunden werden.

Nach DGUV Vorschrift 1 § 4 Abs. 2 muss die Unterweisung verständlich sein.

Vom mir erstellte Unterweisungen

Die Erstunterweisung

    • Bei Neueinstellung.
    • Einsatz von Leiharbeitskräften (bei der Arbeitnehmerüberlassung trifft die Pflicht der Unterweisung den Entleiher § 8 ArbSchG).
    • Versetzung von Mitarbeitern.
    • Neuen Arbeitsmitteln.
    • Geänderten Arbeitsabläufen.
    • Änderungen bei gesetzlichen Vorgaben oder Verordnungen.

Die situationsabhängige Unterweisung

    • Außergewöhnliche, selten vorkommende Arbeitsverfahren.
      • Nacharbeit scharfkantiger Bauteile.
      • Vom Kunden angewiesene spezielle VCI Verpackung von Metallteilen auf IPPC Paletten für den Export.
    • Maßnahmen in der Gefährdungsbeurteilung, um den angestrebten Sicherheitsstandard zu erreichen, können Anlass für eine Unterweisung von eingesetztem Personal sein.
      • Beinaheunfälle und Schadensereignisse sind verpflichtende Anlässe, die Gefährdungsbeurteilung und auch die Betriebsanweisung zu überarbeiten, die Arbeitsanweisung ggf. Anzupassen und in Folge die Beschäftigten zu unterweisen.
    • Unbewusstes, sicherheits- und/ oder gesundheitswidriges Verhalten vom eingesetzten Personal.
      • Hier muss aktiv, klar und zeitnah auf den herrschenden Mangel hingewiesen werden.
    • Eine speziell auf diese Situation zugeschnittene Unterweisung fördert das Umdenken und die Entwicklung der Beschäftigten, ein angemessenes Sicherheits- und gesundheitsgerechtes Verhalten anzunehmen.

Die regelmäßige Unterweisung

    • Wiederholungsunterweisungen sind mindestens jährlich durchzuführen. Beschäftigte, die dem Jugendarbeitsschutzgesetz unterliegen, sind halbjährlich zu unterweisen.

Merkmal der regelmäßigen Unterweisung.

Die Aussagen „Weiss ich schon“ und „Hält nur von der Arbeit ab“ hört der Referent oft im Zusammenhang mit der angekündigten regelmäßigen Unterweisung.
Die Unterweisung wandelt sich zur langweiligen Pflichtveranstaltung.

Warum kommen solche Statements?
Kann es sein, dass eine Unterweisung oft als Vorlesestunde oder als staubtrockener Vortrag angesehen wird, weil diese immer nach dem gleichen Muster abläuft?

Ich verwende zum Auftakt einen Kurzfilm oder Clip zum Unterweisungsthema, eine Powerpointpräsentation, Schaubilder oder Fotos.
Der Vortrag wird lebendiger, kann veranschaulichen und unterstützen.

Wissenswertes

Das Arbeitsschutzgesetz schreibt nicht die generelle Beweissicherung vor.

Allerdings ist in der DGUV Vorschrift 1 § 4 hinterlegt, welche Art von Unterweisungen dokumentiert werden müssen.

Ich vertrete die Meinung, der Referent sollte immer sicherstellen, dass die Unterwiesenen alles verstanden haben. In die Gruppe fragen oder nach vereinzelten Zeichen der Zustimmung die Unterweisung zu beenden, ist nicht ausreichend.
Die Teilnehmer müssen die Unterweisung inhaltlich verstanden haben. Die im Vorfeld vom Referenten erstellte Teilnehmerliste mit den aufgeführten Unterweisungspunkten und dem Zeitpunkt der Unterweisung ist am Ende der Veranstaltung an die Teilnehmer auszugeben. Mit der Unterzeichnung der Teilnehmerliste muss klar ersichtlich sein, dass der Teilnehmer anwesend war und den Inhalt der Unterweisung verstanden hat.

Kommt es zu Unfällen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen, deren Ursache bei fehlenden Unterweisungen anzusetzen ist, kann die persönliche strafrechtliche Verantwortung den Arbeitgeber oder die beauftragte Person treffen.